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Nachfolge im Handwerk 2026: Was die aktuelle ZDH-Umfrage zeigt

22.800 bayerische Handwerksbetriebe stehen vor der Übergabe – die aktuellen Zahlen zu Steuern, Nachfolgersuche und Unternehmensbewertung

Wie stark spüren Handwerksbetriebe den Nachfolgedruck aktuell wirklich? Für Bayern liefert der Bayerische Handwerkstag eine klare Antwort: 22.800 Handwerksbetriebe – immerhin 21 % aller Handwerksunternehmen im Freistaat – stehen in den nächsten fünf Jahren vor einer Übergabe. Betroffen sind rund 200.000 Beschäftigte und 15.000 Auszubildende. Das sind keine abstrakten Zahlen, sondern Zehntausende Familien, Lebenswerke und Ausbildungsplätze, die in den kommenden Jahren auf dem Spiel stehen.
Bundesweit hat der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) gemeinsam mit den Handwerkskammern im März 2026 erneut nachgefragt, woran es bei der Übergabe konkret hakt – und wie sich die Situation seit der letzten großen Erhebung 2020 verändert hat. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen lohnt sich, denn er zeigt: Manche Sorgen haben sich deutlich verschärft, andere sind spürbar leichter geworden.

Was sich seit 2020 verändert hat

Der Vergleich mit der letzten großen ZDH-Umfrage aus dem Jahr 2020 zeigt eine bemerkenswerte Verschiebung:
Steuerliche Aspekte: der große Sprung
Steuerliche Aspekte sind heute die mit Abstand größte Sorge – ein Anstieg um 15 Prozentpunkte innerhalb von sechs Jahren. Das ist kein Zufall: Am 12./13. Oktober 2026 verhandelt das Bundesverfassungsgericht in zwei Verfahren über die Verschonungsregeln für Betriebsvermögen bei der Erbschaftsteuer (§§ 13a/13b ErbStG). Bereits im Vorfeld einer solchen Grundsatzentscheidung wächst erfahrungsgemäß die Verunsicherung bei Unternehmerfamilien – wer eine familieninterne Übergabe plant, weiß aktuell schlicht nicht, ob die heutigen steuerlichen Verschonungsregeln in ein bis zwei Jahren noch in der jetzigen Form gelten.
Nachfolgersuche: Vorsicht ist geboten
Die Nachfolgersuche ist dagegen spürbar leichter geworden (–12 Prozentpunkte) – bleibt aber weiterhin eine der zentralen Hürden. Vorsicht ist hier allerdings geboten: Ein Teil dieser scheinbaren Entspannung dürfte damit zusammenhängen, dass immer mehr Betriebe eine Nachfolge gar nicht mehr ernsthaft anstreben, sondern stattdessen die Schließung planen. Laut KfW-Nachfolge-Monitoring Mittelstand überwiegen inzwischen erstmals bundesweit die Stilllegungspläne (rund 114.000 pro Jahr) gegenüber den tatsächlichen Nachfolgewünschen (rund 109.000 pro Jahr). Wer gar nicht mehr sucht, nennt die Suche logischerweise auch nicht mehr als Hürde – ein niedrigerer Wert ist also nicht automatisch eine gute Nachricht.
Wie stehen die Erfolgschancen?
Nach der aktuellen Umfrage schätzen 52 % der übergabewilligen Betriebsinhaber ihre Erfolgswahrscheinlichkeit für eine gelingende Übergabe positiv ein (19 % hoch, 33 % eher hoch). Das ist eine solide Mehrheit – zeigt aber auch, dass fast jeder zweite Betrieb skeptisch oder unsicher bleibt. Besonders aufschlussreich: 31 % können ihre Erfolgschancen noch gar nicht einschätzen. In meiner Beratungspraxis sehe ich genau das immer wieder – meist ist das kein Zeichen für ein grundsätzliches Problem, sondern schlicht dafür, dass der Nachfolgeprozess noch nicht strukturiert begonnen wurde.
Der Bewertungs-Blindspot bleibt bestehen
Aus der detaillierten 2020er-Umfrage wissen wir, wie ungleich das Thema Unternehmensbewertung im Handwerk verteilt ist – und angesichts der unveränderten 40 %-Herausforderung 2026 dürfte sich daran wenig geändert haben: Nur 10 % der Einpersonenbetriebe hatten eine Wertermittlung durchführen lassen, bei Betrieben mit mindestens 50 Beschäftigten waren es 61 %. Gerade die kleinsten Betriebe – die häufigste Betriebsform im Handwerk und genau die Zielgruppe, die eine Nachfolge am dringendsten organisieren muss – lassen ihren eigenen Wert am seltensten ermitteln. Das hat einen messbaren Effekt: Betriebe mit vorliegender Bewertung schätzten ihre Erfolgswahrscheinlichkeit deutlich optimistischer ein (69 % vs. 58 % im Durchschnitt).
Wer wird eigentlich Nachfolger?
Bundesweite Zahlen zur genauen Verteilung liegen für 2026 nicht vor, die 2020er-Umfrage zeigte aber ein klares Muster: 36 % der Betriebe planten die Übergabe an ein Familienmitglied, 12 % an einen Mitarbeiter, mehr als ein Drittel (35 %) hatte sich noch nicht festgelegt. Die regionale Auswertung der Handwerkskammer Dortmund für 2026 zeigt eine ganz ähnliche Verteilung (38 % Familie, 18 % Mitarbeiter, 33 % unentschieden) – ein Hinweis darauf, dass sich an diesem Muster grundsätzlich wenig geändert haben dürfte.

Was das für Sie bedeutet:

Die Zahlen von 2026 zeichnen ein differenziertes Bild: Die Nachfolgersuche wird laut Umfrage zwar als etwas leichter empfunden – dabei darf aber nicht vergessen werden, dass ein Teil davon schlicht daran liegt, dass eine sehr große Zahl an Betrieben inzwischen vorhat, einfach zu schließen, statt eine Nachfolge zu suchen. Gleichzeitig nimmt die steuerliche Komplexität spürbar zu – und die Unternehmensbewertung bleibt der unveränderte blinde Fleck, an dem sich seit Jahren nichts bewegt. Genau hier setzt meine Beratung an: In der ersten Phase "Klarheit schaffen" steht die Bewertung Ihres Betriebs (nach dem für Handwerksbetriebe entwickelten AWH-Verfahren) bewusst am Anfang – nicht als Formalität, sondern als Grundlage für alles Weitere, was danach kommt. Und bei steuerlichen Fragen arbeite ich eng mit Steuerberatern zusammen, damit Sie gerade angesichts der aktuellen Rechtsunsicherheit nicht allein dastehen. Wo stehen Sie mit Ihrer eigenen Nachfolge? Vereinbaren Sie ein kostenfreies 45-Minuten-Orientierungsgespräch – unverbindlich und ohne Verpflichtung.